Bericht zur Tour
Autor
Claudio Burkhalter
Erstellt am
26.03.2019 9:20
Letzte Änderung
28.03.2019 6:05
Tourenbericht

Tourenleiter:
Wüst Urban

Teilnehmer:
Burkhalter Claudio
Kuba Jürgen
Krawinkel Alessa
Steinemann Urs
Scheurer Stephan
Lanter Patrick
Lanter Andreas
Hofmann Helene
Rohrer Hansjörg

1. Tag: Piz Zuort 3118 m

Die letzten werden die ersten sein, dachte sich die Gruppe in Jürgen’s Auto. Sie fuhren pünktlich um 6.50 Uhr als letztes auf den Zug Richtung Lavin. In Tarasp (Fontana) war unser Treffpunkt, wo auch schon unser local guide Urs wartete. Nach einem kurzen Kaffee im Volg schnallten wir schon unsere Skier an. Das Wetter war perfekt und die Schneeverhältnisse vielversprechend. Gemütlich und immer leicht steigend liefen wir dem Bach entlang das Val Zuort hoch. Nach der Waldgrenze sahen wir schon die ersten Traumhänge umringt von massivem Gestein. Aber jetzt heisst es zuerst einmal hochzukommen. Und das haben wir gemacht. Rassig ging’s weiter über den Vadret da Zuort zur Fuorcla Zuort. Dort musste ich zuerst einmal leer Schlucken, als ich den weiteren Verlauf der Route sah. Steil in unzähligen Spitzkehren ging’s hoch. Aber auch das haben wir nach einer kurzen Rast mehr oder weniger souverän gemeistert. Der letzte Gipfelanstieg wurde noch steiler, konnte aber mit den Skiern an den Füssen gemacht werden. Glücklich standen wir alle auf dem Gipfel, genossen die wunderschöne Aussicht und freuten uns innerlich schon auf die Abfahrt. Denn die war der HAMMER! Durch die nördliche Ausrichtung lag noch wunderbarer Pulver auf den unverspurten Hängen. Fast unendlich lang schienen die Hänge, aber sie hätten noch länger sein dürfen. In den Wäldern wurde der Schnee schwerer und die Temperaturen frühlingshaft. Eine wunderschöne Tour, ein imposantes Tal, ein schöner Berg und eine mega Abfahrt. Piz Zuort, ich komme wieder, das ist klar! Da der Volg über Mittag geschlossen war, gab es das erste Bier erst im Skizirkus in Nauders. Die Fahrt dahin dauerte gefühlte drei Stunden… Weiter fuhren wir über den Reschen zu unserem Hotel Alpenjuwel in Melag, zuhinterst im Langtauferstal. Ein wunderschönes Hotel, tolle Sonnenterrasse, Sauna, Hallenbad, gutes Essen. Bis auf die Freundlichkeit stimmte alles, aber auch das brachte uns nicht aus der Ruhe. Wir haben den Abend sehr genossen. Das Ziel für den nächsten Tag wurde trotz den vielen Möglichkeiten nicht gross besprochen, es war klar, wir gehen auf die Weisskugel, der dritthöchste Berg Österreich’s.

2. Tag: Weisskugel 3738 m

Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten wir um 6.00 Uhr unsere zweite Tour. Über Wanderweg und Langlaufloipe ging’s flach zur Melagalm. Dieser Alm schenkten wir zu dieser Uhrzeit noch keine Beachtung. Nun steigt es durch leicht bewaldetes Gelände sanft an. Nach kurzer Orientierung durchquerten wir moränenartige Steilhänge, die sichere Verhältnisse voraussetzen. Nach einer Rast vor dem Langtauferer Ferner haben dann auch die letzten ihre Gstäldli angezogen. Anseilen mussten wir uns nicht, der Gletscher schien sehr gut eingeschneit zu sein und die Spur gut gelegt. Schweisstreibend ging’s Schritt um Schritt aufwärts, aber die angepeilte Scharte schien einfach nicht näher zu kommen. Irgendwann standen wir dann doch auf dieser Scharte und suchten bei einer kleinen Verpflegung den weiteren Routenverlauf. Über den Grat mit aufgebundenen Ski, oder mit Ski direkt den Osthang, oder doch rund herum und von Südosten hoch? Ich glaube das Machtwort kam vom Tourenleiterchef Stefan. Auf jeden Fall entschieden wir uns für die mittlere Variante; den immer steiler werdenden Osthang hoch zu laufen. Der zum Teil harte und rutschige Schnee erschwerte den Aufstieg, speziell die Spitzkehren waren eine Herausforderung. Mit dem Pickel haben wir Podeste herausgeschlagen, was das Ganze doch etwas angenehmer machte. Die Temperatur in diesem Kessel war angenehm warm, wäre man mit kurzen Hosen unterwegs gewesen. Der letzte Teil war so steil (vielleicht 45 Grad), dass bis auf Urban alle die Skier auf die Rucksäcke schnallten und zu Fuss weiter gingen. Auf dem Grat angelangt, waren nur noch ein paar Felsstufen bis zum Gipfel zu überwinden. Das war dann einfach nur noch reiner Genuss. Nach sieben harten Stunden und 1900 Höhenmetern haben wir unser Ziel erreicht. Yupiiii! Wir stehen auf der Weisskugel!!! Die Sicht reichte von den Glarner Alpen, über das Silvretta Gebiet, das Bernina Massiv, bis zur Ortler Gruppe, Dolomiten und die zahlreichen Gipfel im Tirol. Oh ja. Das Wetter habe ich noch nicht erwähnt; es war wieder traumhaft schön. Zurück im Skidepot gab’s nochmals eine kleine Stärkung. Danach fegten wir den Steilhang runter, für den einen oder anderen war es Nasenwasser… Die Abfahrt über den Gletscher, vorbei an grünen Eistürmen, war ein traumhaftes und einmaliges Erlebnis. Einzig für Helen war es mehr eine Tortur, weil ihre Füsse derart schmerzten. Passende Skitourenschuhe ist das A und O… Am Ende des Ferners wäre eigentlich wieder ein kurzer Aufstieg, aber Urban meinte, laut Karte müsste es durch die Schlucht gehen. Proscht Nägeli, dachte ich und sah uns schon wieder mühsam aus der Schlucht hoch laufen. Etwas skeptisch fuhr ich der Truppe nach an imposanten und vom Gletscher geschliffenen Felsen vorbei. Bei jedem Stopp dachte ich; das war‘s.. Aber nein, da hab ich mich getäuscht. Da gab es tatsächlich einen zwei Meter breiten Durchschlupf (über dem Bach wohlverstanden) und wir standen wieder im Freien. Weiter traversierten wir die steilen Moränenhänge, immer etwas über der Schucht, bis dann der Spass mit den leicht besiedelten Bäumen begann. Mit etwas Schuss konnten auch die leichten Gegenansteigungen überwunden werden und schon standen wir vor der Melagalm. Trotz des langsamen Bierzapfen konnten wir den Durst schneller löschen als noch einen Tag zuvor. Als dann die Sonne hinter dem Berg verschwand, skateten wir zurück zu unserer Unterkunft und genossen dort die nächsten Runden in der warmen Abendsonne. Was für ein wundervoller Tag. Streng, aber mit allem was dazugehörte. Wunderschöne Kulisse. Auch das Abendessen mit diesmal ausgelesenem Wein von Padi war sehr gut.

3. Tag: Weissseespitze 3498 m

Da wir nun zwei Tage nordseitig den Pulver gesucht und auch gefunden haben, versuchten wir es heute einmal mit den Südhängen. Da scheint ja auch den ganzen Tag die Sonne, dachten wir. Um gut 6.15 Uhr ging’s los. Einen steilen und recht harten Hang stiegen wir hoch, bis sich Hansjörg’s Ski selbständig machte. Stefan fand ihn dann in einem Wäldchen wieder. Nun traversierten wir die Hänge bei der inneren Schafbergalpe bis zum Falginbach. Von dort stiegen wir in einer angenehmen Spur tolle Hänge hoch in den Kessel vom Falginferner. Bis dahin waren wir im Schatten und freuten uns auf die wärmende Sonne. Brrr. Noch ein paar Meter zu Fuss und schon standen wir auf dem Grat bei Punkt 3309 m. Jetzt hiess es Ski aufbinden und zuerst im Felsen, dann auf einem Schneegrat zum Gipfel. Ich war ehrlich gesagt etwas enttäuscht, als wir schon oben standen. Aber als ich dann hörte, dass wir schon 4 Stunden und 45 Minuten unterwegs waren, konnte ich es doch verkraften. Zumindest nach dem Gipfelschnaps von Alessa. Die Sicht auf das gestrige Ziel „Weisskugel“ war einmalig und hat wieder alle Strapazen zu Nichte gemacht. Mittagessen auf der Weissseespitze mit Sicht auf die Weisskugel. Was will man mehr? Andi liebäugelte schon beim Aufstieg mit einer sehr steilen und schmalen Rinne. Aber der Schnee sah nicht wirklich toll aus, so entschieden wir uns alle für die Rinne, welche schon am meisten Sonne abbekommen hatte. Aber auch da waren die ersten Meter noch ziemlich hart und ein ausrutschen war verboten. Weiter unten öffneten sich die Hänge wieder und mit der richtigen Spürnase fand man den Sulz, den wir gesucht haben. Der Fahrspass nahm immer mehr zu, je tiefer wir kamen. Im Schlusshang schauten uns die Wanderer zu, wie wir im Slalom um die Steine und Bäume hüpften und schon standen wir wieder auf der Langlaufloipe oder anders gesagt in der Realität. Es war wiederum eine wunderschöne Skitour. Tolle Kombination mit Ski-, Fussaufstieg und etwas kraxeln. Schöne Hänge und Kulisse. Noch einmal genossen wir das Bier und den Aperol Spritz auf der Hotelterrasse, bevor wir uns nach drei wunderschönen Tagen verabschiedeten. Ein danke schön und ein grosses Lob an Urban für die tolle Organisation, die super Routenwahl und die perfekt geführten Touren! Alle Teilnehmer waren grossartig. Schöner hätte es nicht sein können. Hoffentlich bald wieder.
Lg claudio